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Wie verändert die Grazer Charta die Klimakommunikation in der DACH-Region?

Zusammenfassung der Online-Veranstaltung vom 13. Mai

Am 13. Mai fand ein Webinar zur Frage «Wird die Klimakommunikation mit der Charta besser?» statt. Die Initiator:innen der Charta wollten eine erste Zwischenbilanz ziehen: Was braucht es, damit die in der Charta formulierte «gute fachliche Praxis» von möglichst vielen in der täglichen Kommunikationsarbeit gelebt wird?

Online-Veranstaltung - Wird Klimakommunikation mit der Grazer Charta jetzt besser?
Online-Veranstaltung - Wird Klimakommunikation mit der Grazer Charta jetzt besser?
Online-Veranstaltung - Wird Klimakommunikation mit der Grazer Charta jetzt besser?Bild: SCNAT
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Rund 150 Teilnehmende loggten sich am Mittag in die Online-Veranstaltung ein, um den Inputs von Isabella Uhl-Hädicke, Alex Tiefenbacher und Petra Pinzler zuzuhören und über Klimakommunikation zu diskutieren.

Die Veranstaltung war co-organisiert von ProClim – Forum für Klima und globalen Wandel der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT), Klimafakten, dem Deutsches Klima-Konsortium DKK und dem Climate Change Centre Austria CCCA.

Isabella Uhl-Hädicke, Umweltpsychologin an der Universität Salzburg sprach über verschiedene Strategien, Menschen zu einer bestimmten Verhaltensweise aufzufordern, bzw. sie zu bitten, etwas nicht zu tun. Sie zeigte auf, dass die Mahnung, etwas nicht zu tun, oftmals den Menschen auch signalisiert, dass viele andere sich auch so verhalten, und schliesslich dazu führt, dass sie es auch tun, anstatt es zu unterlassen. Das liegt am sogenannten «Prisoners dilemma»: Beide Individuen würden besser dastehen wenn sie sich kooperativ verhalten würden, tun es aber aus Eigeninteresse nicht. Ausserdem sprach Uhl-Hädicke von Ambiguitätstoleranz und betonte, wie wichtig es bei Umweltthemen ist, dass wir lernen, komplizierte und widersprüchliche Sachverhalte auszuhalten.

Alexandra Tiefenbacher, Journalistin für das Lamm, erwähnte drei Punkte, die ihr für die Klimakommunikation besonders wichtig erscheinen. Als erstes betonte sie, Klimakommunikation solle Offenheit und die Bereitschaft trainieren, sich Lösungen anzuschauen. Des Weiteren solle guter Klimajournalismus ehrlich und vollständig sein. Dies sei aber nur möglich, wenn auch dementsprechend Ressourcen für die Recherche vorhanden seien. Zuletzt formulierte sie das Anliegen, dass kritisch warnende Berichte nicht gegen positiv ermutigende Klimaberichtserstattung ausgespielt werden sollen: Es braucht beide Herangehensweisen für eine ganzheitliche Berichterstattung.

Zeit-Journalistin und Podcasterin («Auch das noch? Der freundliche Krisenpodcast») Petra Pinzler skizzierte die grössten Herausforderungen der Klimaberichterstattung. Klimathemen klicken wegen dem geringen Neuigkeitswert zu wenig – daher fehlen auch die finanziellen Ressourcen. Als zweite Schwierigkeit erwähnte sie die Heterogenität des Zielpublikums, die durch Klimakommunikation angesprochen werden soll: «Wir können nicht mehr von «wir» sprechen. Es gibt nicht die eine Klimakommunikationsstrategie, mit der alle erreicht werden können». So sei es wichtig, möglichst neue Zielgruppen zu erreichen und aus der Klima-Bubble auszubrechen, um neue Verbündete zu finden und die Koalition der Willigen zu erweitern.

Im Anschluss an die Inputs diskutierten die Teilnehmenden über die Grazer Charta und die Wirksamkeit von Klimakommunikation. Es zeigte sich, dass weniger eine Änderung der Charta erwünscht ist, sondern vielmehr eine Weiterentwicklung der Charta mit wichtigen Punkten. Der Austausch zeigte auf, dass innerhalb der K3 Community eine breite Expertise zu wirkungsvoller Klimakommunikation vorhanden ist. Die Forschung und Praxis ist ein grosser Schritt weiter, als noch vor zehn Jahren. Und dennoch: Die Herausforderungen und neue Umstände erfordern weiterhin eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema. Für das K3 Konsortium sind solche Austausche mit der Community höchst wertvoll. Sie zeigen auf, wo die wichtigsten Fragen liegen, welche in künftigen Anlässen wie einem K3 Kongress aufgegriffen werden können.

Grazer Charta zu Klimakommunikation

Seit September 2024 gibt es die Grazer Charta für Klimakommunikation. Fachleute aus Wissenschaft, Journalismus, Kommunen und Nichtregierungsorganisationen fordern darin einen Kurswechsel in der Kommunikation über Klimathemen – und beschreiben mit der Charta zugleich, wie eine lösungsorientierte Kommunikation zum Klimawandel aussehen sollte. Mehr als 1000 Fachleute und Praktiker:innen aus den unterschiedlichsten Anwendungsfeldern haben die Charta inzwischen unterzeichnet.

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